Apokalypse, Narretei und Surreales

Trinken wir besten Wein, essen delikat, tauschen wir uns nochmal tiefsinnig aus, halten unsere Hände, lesen wir uns gegenseitig vor, oder träumen wir zusammen von Licht und Sonne, vom Meer und Lavendelfeldern, schönen Gerüchen und üppig-satter Vegetation in malerischen Tälern. Oder tauchen wir in einen Serien-Marathon, vertraut wie intim nebeneinander sitzend, liegend, ganz gleich … oder plaudern wir bis der Arzt kommt und leeren eine Flasche Wodka, Beluga etwa, eisgekühlt freilich … Vielleicht ziehen wir verbotenerweise eine Line sauberes Koks? Erkunden gemeinsam erotische Gipfel? Oder – wäre es nicht am Besten? – wir machen alles davon?

Denn die Apokalypse ist nah, das Jüngste Gericht, Armageddon zieht auf, der Teppich des Todes breitet sich Finsternis bringend über alle Lande des Erdballs. Kein Morgen, das Ende ist … da.

Zumindest könnte man den Eindruck gewinnen, denn vom medialen, Panik verbreitenden Viren-Ticker zur zusammenbrechenden Weltwirtschaft mit die menschlichen Grundfeste erschütternden, vielleicht zerstäubenden, Folgen, spinnt sich ein kausaler Faden.

Investitionsfonds hören nicht auf, in Projekte die die Wirtschaft – und damit alles Leben- am Laufen halten, zu investieren wegen eines Virus, der wohl bei Lichte betrachtet nicht so gefährlich ist wie AIDS oder Alkoholismus, sondern wegen der Unsicherheit der Menschen, deren panisches Gebahren, das alles Gängige auf den Kopf stellt. Ein Verhalten, das als unmittelbarer Reflex auf den sich überschlagenden, in vermeintlichen Hiobsbotschaften übertreffenden Mediensturm zu werten sein könnte.

Freunde der Mathematik, des Pragmatischen, mögen sich entsetzt wie paralysiert den Auswüchsen medialer Raserei und hypochondrischer Massenpanik dreingeben, unfähig, der Vernunft eine Stimme zu verleihen. Aber in seltener Klarheit entlarvt sich die tödliche Schwäche unserer modernen Zivilisation, die sich in elementaren Abhängigkeiten mammonscher Couleur und Massenmedien-Berieselung erstiegen hat, global geknüpft, und unfähig scheint, diese Schwäche und ihre Folgen zu begreifen.

Vernunft, Gerechtigkeit und Moral als Codex sind die Lippenbekenntnisse der Moderne. Der Demokratie. Der Demokratievertreter. Und vor allem der Medien. Denn gelebt wird anders.

Ohne Sinn und Verstand erzeugen Medien Meinungen, die massiven Einfluss auf alles Leben haben.

Kriege, Flüchtlingskrisen, öffentliche Meinungen, die schlimme Konsequenzen zeitigen, und jetzt ein pandemisches Virenszenario hysterisch orchestriert … die Medien – ob gewollt oder nicht – lenken Leben. Kompetenzlos, ohne es zu können. Denn nur die Quote zählt. Diese Medienkultur ist der Preis der Demokratie. Und der könnte die Demokratie kosten. Ein Paradoxon.

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