I
“Wie kann es sein, dass du bist, was ich nicht ertrage? Dass du denkst, was nicht gedacht werden darf? Und begehrst deines Nächsten Weib? Dessen Hab und Gut? Wie ist es möglich, dass du schreibst, was verbrannt werden sollte?
Ist von Erz die Substanz deines Herzens?
Wie, da du Worte findest, die meins öffnen ..? Worte, die meinen Verstand untergraben … mich ins Wanken bringen, und doch so schön wie verzaubernd meine Seele streicheln? Bist du mein Gewissen, meine Sehnsucht oder doch der Teufel im Engelsgewand? Eine Prüfung vielleicht? Und wenn ja, von wem? Oder bist du eine Laune der Natur, die die schönste Poesie und wahrhaftigste Wahrheit in Windiges transformiert?
Du hast Unrecht, mein geliebter Feind. Du hast Recht, du Teufel. Ich verachte dich, du Subjekt meiner Begierde. Du bist, was ich nicht sein darf, du schreibst, was unmöglich geschrieben werden kann. Du hoffst, dass das, was du prophezeitest, wahr wird. Und ich hasse dich dafür. Und meine Begierde verschlingt mich, denn du bist überall. Und zeigst mir meine Erbärmlichkeit. Meine Schwäche. Gipfelnd in unendlicher Liebe. Zu dir.“
II
„sorg‘ dich abwärts, leb’ hinfort
an jenen tagen
da sich öffnen erschaudernd’ augen
entsetzensnah
die erblicken einen ort
des wüsten schlachtens
wo trauer wider hoffen kämpft
heute gegen morgen
da geschund‘ne herzen
blutleer ertragen
liebe ersehnen, ewiges leben
sich ob der tage allmacht plagen.“
III
„Vermisse ich, brenne ich. Nichts könnte gut genug sein, nichts schnell genug vergehen, und rein gar nichts vermöchte jenen Brand zu löschen, außer der Brennstoff meines Vermissens selbst, durch schieres Sein. So wie Feuer mit Feuer bekämpft werden kann.
Im Vermissen quillt die Kraft, Geduld zu üben, Zorn zu gebären, sich selbst zu finden, Liebe zu hinterfragen, von echter überwältigt zu sein und Empfindungen zu kontrollieren oder nachzugeben, auf dass die Hölle gebiert, der Himmel jauchzt – und sich das Oberste zum Untersten verkehrt. Vorstellungen wuchern in alle Richtungen, Vermissen ist des Dichters schöpferischer Quell, des Tors Droge, des Liebenden Menetekel, des Gierigen Ansporn, des Mörders Motiv, der Welten Antrieb für Sehnsucht und gute Taten.
Ich vermisse, ich fühle, lebe …; weit ab des Denkens, Ratio ist verbannt.
Und Pestilenz ein fernes Land.“