Großes wohnt den Menschen inne: Die vom Schöpfer oder der Schöpfung dargereichten Gaben der Liebe, der Kunst, der Sanftmut, der Kompromissfähigkeit, des Mitleids auch, oder die Fähigkeiten, über sich hinaus zu wachsen, Mut freizulegen, Ängste zu überwinden. Und vergessen wir nicht die seltene Fähigkeit – vielleicht die edelste unter allen, die menschlichste auch – des Verzeihens, des Zurücktretens vor anderen, des Obsiegens der Vergebung über Eitelkeit und Stolz.
Ja, Großes wohnt den Menschen inne.
Und Kleines. Schwaches. Erbarmungswürdiges.
Was wird bleiben, außer Asche und Staub, vom Denunzianten? Vom Rachelüsternen? Von der Eifersüchtigen? Dem Mobber? Oder der Intrigantin?
Dankbarkeit in der Menschen Herzen? Eines betreffenden Seele wärmende Erinnerungen? Sehnsucht und süße Trauer? Der Wunsch, sich einander im Paradiese wieder zu finden?
Fragen, die keiner Antwort bedürfen, sind nur als Fragen konzipiert; erkenne dich selbst, heißt es bei Chilon von Sparta.
Wie ein Kainsmal tragen die kleinmütigen Neider die Herrschaft ihrer Ängste, ihres Hasses und Schwächen zur Schau; nicht ostentativ, unwissend. Sie sind, was sie sind: klein.
Es mutet widersprüchlich an, doch im Denunzianten, oder jenem, der anderen übel nachredet, nichts Freundliches jedenfalls und in böswilligem Gewand, offenbart sich im Moment des Aktes seiner Tat das Eingeständnis einer Niederlage, seiner erbarmungswürdigen Schwäche, sein oder ihr hilfloser Schrei nach Irgendwas.
Hetze muss sich nicht zwangsläufig ohne der Wahrheit Fundament entblößen, aber sie entbehrt jedweder Größe, jedweder Eigenschaft wie eingangs aufgezählt.
Wer etwa übel nachredet, schaut eben dabei immer nach oben, nie nach unten. Ohne es zu verstehen oder ändern zu können, belegt der Hetzer seine moralisch unterlegene Position. Und seine charakterliche.
Hetze und mangelnde Größe gehen Hand in Hand. Kein aufrichtiger Mensch wird übel nachreden; er ist in evolutionärem Sinne über diese Stufe der Schwäche hinaus. Er ist integer. Und zeichnet sich auch dadurch aus, seinen Stolz – selbst im Sturm der Verleumdungen – zu verdrängen und Mitleid und Vergebung zu erwidern.