(Ein kriminalistisches Essay)
2020, WARSCHAU
PROLOG
„Es sah nicht ungeschickt aus, was jener livrierte, raspelkurz geschorene Barkeeper im Warschauer Rafles Europejski, eines der exklusivsten Hotels der Welt, veranstaltete. Gekonnt hantierte er mit Mixbechern, Flaschen, Gläsern und Früchten, zerstampfte Limetten, platzierte Oliven, spießte kandierte Kirschen auf Spießchen, kredenzte Augenschmäuse, und all dies in beeindruckender Schnelligkeit. Jedenfalls ohne das überflüssige wie angeberische Schi-Schi a la jonglierende Flaschen und dergleichen. So entstand Getränk um Getränk, vom klassischen Drink bis zum tropischen Cocktail. Und das tat auch Not, denn in der Bar herrschte Gedränge. Mit – keine Frage – augenscheinlich interessanten Menschen. Abgesehen von dem wohl kleinsten gemeinsamen Nenner, dass es nicht die Armut sein konnte, die die hier Anwesenden gerade nicht verband.
Ungeachtet vielleicht der zwei von allen anderen Gästen ignorierten Edelhuren in der Mitte der Bar, schien jeder, Mann wie Frau, eine Persönlichkeit zu sein. Unternehmer, Politiker, Schauspieler, Mäzen, Sportler oder sonstige VIP. Was darüberhinaus ins Auge stach: Stilvoll gekleidete Menschen, gepflegte Manieren, zumeist, ein Geräuschpegel der zwar auf Ausgelassenheit wies, jedoch weit davon entfernt war, das Level eines orientalischen Bazars widerzuspiegeln, oder das eines teutonischen Gelages.
Ob seiner minimalistischen Größe kaum zu erkennen, wies das Namensschild des Barkeepers diesen als Artur aus. Artur – und ein nicht weiter erwähnenswerter, ebenfalls livrierter Helfer – rockte den Laden. Seine Service-Mitarbeiterinnen, drei flinke und – nebenbei bemerkt – äußerst attraktive Kellnerinnen, flogen nur so durch den Raum und so verwunderte es nicht, dass jeder Gast bedient war und keine Sorge haben musste, auf dem Trockenen sitzen zu bleiben.
Ich selbst hatte mir einen Platz an der Bar ergattert, schlürfte einen Cocktail, durchsah die Edelhuren als wären sie Luft, während sie meinen Blick suchten, und wartete auf jene Gelegenheit, die mir von einem polnischen Vertrauensmann, dessen Namen ich hier unmöglich wiedergeben kann, wollte ich ihn nicht in Gefahr bringen, versprochen worden war. Er hatte jedenfalls gesagt, dass ich ihn hier treffen würde. So gegen 22 Uhr. „Ihn“ war ein hoher Parteifunktionär bei der PiS, jener Regierungspartei Polens, die vom Präsidenten Jarosław Kaczyński beherrscht wurde.
Schenkte man Oppositionellen Glauben, hatte Kaczynski es verstanden, ein Geflecht aus Getreuen und zugleich Abhängigen um sich zu scharen, die PiS nicht nur an der Macht hielten, das Land vom Westen weg führten, was man so oder so hätte beurteilen können, denn die plutokratische EU-Krake ist nicht nur schön, die es jedoch so regierten, als besäßen sie die absolute Mehrheit. Mit zirka siebenunddreißig Prozent war PiS vor etwa fünf Jahren durch geschicktes Koalieren an die Macht gelangt und 2019 festigten sie ihre Position durch eine satte Wiederwahl nahe der absoluten Mehrheit. Eine nationalistische Partei sozialistischer Färbung, voll der Seilschaften aus den Zeiten des Kommunismus und den dramatischen postkommunistischen Phasen. Reaktionär, patriotisch, und eigentlich antiwestlich. Eigentlich, denn der Euro wog und wiegt schwer …
Jedenfalls hatte sich zwischenzeitlich eine gefährliche Atmosphäre herausgebildet, die dem Verfall von Rechtsstaatlichkeit geschuldet sein mochte, denn PiS bestimmte seither, wo es lang ging und geht.
Wer sich etwa einen hohen Funktionär zum Feind machte, konnte schnell im Gefängnis landen, mal so eben, wegen irgendwas. Gern genommen wegen des „Verdachtes der Korruption“ oder „Verdachtes der Steuerhinterziehung“.
Ich wusste also, es könnte ein Spiel mit dem Feuer sein, das ich da zu treiben gedachte. Aber ich brauchte Informationen und einen Verbündeten.
Ich wusste wie der Kerl aussah, ich wusste, dass er gern im Mittelpunkt stand, dass er verheiratet war und dennoch andere Frauen mochte, je schöner, desto besser, je mehr, desto besser, und er war bestechlich. Grandios bestechlich, so mein Vertrauensmann.“
KAPITEL 1
DAS WASSER DER SIRENEN
(Leipzig, ein Monat zuvor)
„Spielen wir eine Partie Schach?“ bedeutet nicht nur eine bloße Frage, denn sie ist geeignet der Menschen Welten zu entzaubern.
Was macht es mit einem Individuum, wenn zunächst unbedarft geantwortet würde: „Ja, gern“, und das Spiel daraufhin dramatisch verloren ginge? Wenn der Spielgegner, der Gewinner, eigentlich ein unterstellter Mitarbeiter wäre, oder ein Rivale innerhalb eines x-beliebigen Lebensbereiches, vielleicht ein heuchlerischer Konkurrent, dem Gottes neuntes Gebot piepegal ist, ja, sogar diametraler Ansporn?
Nun, es zeigt in brutaler Unverblümtheit, dass der Gegner klüger ist. Dass er des logischen Denkens mächtiger, des strategischen Taktierens geeigneter ist. Er ist schlicht in einem wesentlichen Lebensbereich der bessere Mann, die bessere Frau, der intellektuell überlegene Mensch. Selbst wenn der Verlierer im sonstigen Leben erfolgreicher als sein Gegenspieler sein sollte, sogar ein mächtiger Unternehmer oder Politiker sein mag, berufen, das Leben von vielen zu lenken, würde sich der Stachel der Niederlage in sein Inneres nisten. Er würde wissen: „Ich bin schwächer, als mein Gegner, es reicht geistig nicht aus, ihn zu besiegen, er ist klüger.“
Eine geistige Bankrotterklärung. Ein persönliches Menetekel. Eines, das die Psyche tangieren könnte und sich so mittelbar ins Reale transferiert.
Geht eine Schachpartie verloren, geht noch viel mehr verloren, als nur das Spiel.
Schach ist kein Glücksspiel, Schach ist eine Herausforderung, Schach ist … Krieg.
Es entbehrt nicht eines historisch fundierten Hintergrundes, weshalb die mit rund sechshunderttausend Einwohnern relativ kleine Stadt Leipzig zu den redaktionell am häufigsten beschriebenen Städten der Welt gehört – und dabei viele deutlich größere Metropolen rund um den Globus weit hinter sich lässt. Aber was könnte der Grund dafür sein? Was besitzt diese Stadt, das so beschreibenswert ist? Was verbirgt sich hinter dieser statistisch belegbaren Tatsache? Touristisch betrachtet sind Städte wie Dresden, Berlin, Kopenhagen oder Krakau bekannter, die größeren Anziehungspunkte. Und wirtschaftlich ist die die Mitteldeutsche Metropolregion dominierende sächsische Stadt zwar auf einem prosperierenden Weg, zumindest war sie es bis Corona kam, gleichwohl noch längst nicht so stark wie rein größenmäßig vergleichbare Städte, etwa Frankfurt oder Düsseldorf. Was also könnte der Grund sein für die Berühmtheit dieser Stadt?
Werfen wir einen Blick zurück ins 19. Jahrhundert. Das barocke Leipzig galt, neben Wien und Paris, als bedeutendste Musikstadt Europas. Viele der großen und berühmtesten Komponisten wirkten, studierten, komponierten in Leipzig oder stammten von dort. Wagner, Mendelssohn-Bartholdy, Clara und Robert Schumann, Grieg und Telemann, Lortzing oder Reger, und viele andere, alle waren sie da, alle trugen sie zu dem außergewöhnlichen Nimbus Leipzigs als Musikstadt bei. In Leipzig zu leben, hieß damals HIP zu sein. Die Stellung als Deutschlands bedeutendste Messestadt trug ebenso zu diesem Prädikat bei, wie ihre Position als Zentrum des deutschen Buchdruckes. Medien, Musik, Handel. An Leipzig führte damals kein Weg vorbei, zumal ihre strategische Lage den Schnittpunkt der sich kreuzenden alten römischen Handelsstraßen VIA REGIO und VIA IMPERI markierte. Schnell wuchs daher die Stadt, und gerade zwischen 1870 und 1910 explodierte sie förmlich, denn die Einwohnerzahl entwickelte sich exponentiell von Hunderttausend auf über Sechshunderttausend. Die Versechsfachung in nur zwei Generationen ging zwangsläufig mit einer umwälzenden städtebaulichen Entwicklung einher. Und da Leipzig als Messe-, Buch-, Musik- und später Pelzmetropole explorierte, war genug Geld vorhanden, um spektakulär zu bauen. Eine Gründerzeit- und Jugendstil-Stadt entstand. Und damit Tausende Gebäude, die heute als Denkmäler gelten.
Mit dem verlorenen zweiten Weltkrieg und der sich anschließenden DDR-Zeit legte sich der Schleier des Verfalls über die Stadt und ohne den Fall der Mauer, der in Leipzig seinen friedlich revolutionären Anfang nahm, wäre die Stadt restlos zerbröselt in Ruinen und verfaulte Gebäude.
Aber es kam anders.
Um all die schönen Bauten Leipzigs denkmalgerecht wie originalgetreu sanieren zu können, gerade im Hinblick auf den dazu nötigen finanziellen Kraftakt, wurde ein staatliches Programm ins Leben gerufen, das Kapitalanlegern die steuerliche Anrechnung von Investitionen in die Denkmalsanierung garantierte. Das schien attraktiv wie verlockend zu sein und bot den moralisch belegten Umstand der Aufbauhilfe. Woraufhin ein ganzer Industriezweig entstand. Gebäude wurden erworben, in einzelne Wohnungen rechtlich aufgeteilt und saniert an Anleger in ganz Deutschland weiterverkauft. Damit ging die rechtliche und werbeaffine Besonderheit einher, dass zu jedem Verkaufsobjekt auch ein Verkaufsexposé erstellt werden musste. Die schiere Masse an derartigen Wohnungen in sanierten Denkmälern führte schließlich bis heute dazu, dass Leipzig, gleich nach dem sechs mal größeren Berlin, die meisten notariellen Verkaufsakte Deutschlands zu verzeichnen hat. Deshalb, liebe Leser, gehört Leipzig zu den redaktionell am meisten beschriebenen Städten der Welt.
Und in dieser geschichtsvollen Stadt traf sich Raffael mit den Brüdern, zwei hoch aufgeschossenen, kantigen schlesischen Kerlen, deren voluminöse Schädel und klug-listige Augen auf einen jeweils hohen Intellekt schließen ließen. Ihre Kleidung, nicht erwähnenswert. Aber was sie zu sagen hatten, ließ die Zeit in Leipzigs abendlicher Dämmerung still stehen, als greifbare Schwade. Und die Energie eines sturmbeladenen Tsunamis reicherte sich in der Atmosphäre an.
„Ein Satz, Tomasz, bring es auf den Punkt“, forderte soeben Raffael an den jüngeren der grauäugigen Brüder gewandt.
„Naja,“ entgegnete dieser ausweichend während sich seine Stirn in Falten zog.
„Das ist nicht so einfach.“
Raffael spürte Ungeduld aufsteigen. Schon immer konnte ihm nichts schnell genug vonstatten gehen. Erst in den letzten Jahren seines nun fünfzigjährigen Lebens hatte sich die Fähigkeit zur Geduld herausgebildet.
„Versuch es bitte,“ insistierte Raffael vergleichsweise sanft.
„Ich glaube,“ ergriff der ältere Bruder namens Mateus, der trotz seiner 58 Jahre wie ein durchtrainierter Hochleistungssportler wirkte, wie ein Jungbrunnen „wir haben …“
„Ja?“
„Wir haben das … das beste Wasser der Welt.“
Fragend hob Raffael eine Braue.
„Erklär.“
Die Brüder schauten sich verschwörerisch an. Bedeutsamkeit lag in der Luft.
„Raffael, wir forschen jetzt seit zwanzig Jahren. Die Quelle, unsre Aufbereitungsanlage, zahllose Analysen und Gutachten … ja, wenn Geschmack unerheblich ist, handelt es sich in der Tat um das beste Wasser der Welt.“
Ernste Gesichter, bedeutungsschwangeres Nicken.
„Weil es …“ Tomasz ließ sich mit seiner Begründung nicht ohne Theatralik Zeit „gesund macht.“
Mateus fasste Raffael vertrauensbildend an den Arm und führte weiter aus.
„Mein Bruder hat Recht. Unser Wasser macht gesund. Nun, das bewirken viele andere Wasser auch, und noch mehr Anbieter behaupten es. Aber unser Wasser macht im Turbomodus gesund. Wie eine Penicillinspritze, wie akutes Gegengift, wie Magie … Und … beinahe hätte ich es vergessen … es killt das Coronavirus, heilt Covid 19.“
Scharf justierten sich Raffaels tiefblaue Augen und fixierten sein Gegenüber.
„Verifiziert?“
Beinahe entschuldigend nickte Mateus und zeigte seine Handflächen zum Zeichen der Offenheit.
„Stell dir vor, was es alles kann, unser Wasser, Raffael. Damit gäbe es keine Pandemie. Infiziert oder nicht, alt oder jung, bereits krank oder nur Träger in Inkubation, Covid 19 bricht entweder gar nicht erst aus, oder wird umgehend geheilt; das Corona-Virus wird nach dem Trinken unseres Wassers regelrecht zersetzt. Es hängt mit der Molekülkette zusammen.“
„Ist das euer Ernst?“
„Aber ja. Und es kann noch mehr. Keinen Kater nach einem Saufgelage mehr, keine schlaffe oder fahle Haut, keine Geschwüre, ja, sogar den Krebs hat es schon besiegt. Ein starkes Herz, elastische Adern, eine ursprüngliche Darmflora, gesunde Nägel, und ein jugendliches Wohlbefinden … all das kann unser Wasser bewirken. Stell dir vor, selbst Botox wäre überflüssig.“
Raffael wusste um die Glaubwürdigkeit der Brüder, denn er hatte alle verfügbaren Gutachten von einem unabhängigen Institut in Schweden untersuchen lassen. Verblüfft hatte die Nordmänner festgestellt, dass dieses Zauberwasser die Reinheit prähistorischen Quellwassers besaß und zudem molekulare Eigenschaften, die nicht vernünftig erklärbar waren.
„Die Pharmaindustrie kann einpacken“, prophezeite Tomasz prahlerisch und Raffael, der die Mechanismen der Pharmaindustrie kannte, auch deren dunkle Seiten, spürte Bedrohliches aufziehen. Und er sinnierte tagträumerisch. Was er sah war ein weinender Bruder an des Blutsverwandten Grab.“
KAPITEL 2
DER PARVENÜ
Piotr besaß von allem etwas, aber von keinem genug, als dass es hätte aus berufenem Munde als Talent bezeichnet werden können. Nehmen wir diese Tatsache selbst. Er wußte um diese Unzulänglichkeit, dass er sozusagen talentfrei war, was ihn jedoch nicht davon abhielt zu glauben, alles schaffen zu können. Und begegnete ihm wirkliches, göttliches Talent, reagierte er gereizt, neidvoll, sogar feindselig.
Oder betrachten wir sein Äußeres, seine Gestalt und Erscheinung. Er maß nicht gerade klein, aber mit Einsachtzig auch nicht groß genug, um rein körperlich mit echten, beeindruckenden Athleten ansatzweise mithalten zu können. Ganz abgesehen von seiner wenig ausgeprägten Statur; diese als schwächlich zu bezeichnen, träfe den Kern zwar nicht, doch war er weit davon entfernt, einer Frau seine Brust beschützend darbieten zu können.
Oder seine Physiognomie … In Piotrs Gesichtszügen – umrahmt pechschwarzen, im Nacken zwei Nuancen zu langen, an die Achtziger erinnernden Haares – war von Weitem eine gewisse Harmonie zu erkennen, die der Betrachtende beinahe als attraktiv oder schön bezeichnen würde. Beinahe. Denn bevor dieser Beobachter das Wort „schön“ würde ausgesprochen haben, hätte sich ein Zögern in seiner Kehle bemerkbar gemacht, ein Unbill, ein innerlicher Protest, ausgelöst durch den zweiten, den tieferen Blick. Und was er dann erkannte, war weniger schön, denn es lag, abgesehen von einer tendenziell zu blassen – um als gesund geltenden – Hautfarbe, und abgesehen eines gemessen an Fabinaccis Goldenem Schnitt zu großen Abstandes zwischen Oberlippe und Nasenansatz, etwas Kriecherisches in Piotrs Gesicht. Etwas Verschlagenes. Und etwas Doppelbödiges. Je näher man ihm kam, desto deutlicher wurden diese gegen äußerliche Schönheit sprechenden Merkmale. Auch seine Gestik, wenig vollendet. Ganz im Gegenteil wirkte sie fahrig, gewollt, anmaßend; so fasste er nicht selten Gesprächspartnern ins Gesicht. Eigentlich, um diese zu tätscheln, zu necken, aber oft vergriff er sich und grapschte zu derb, oder am Ziel vorbei, ins Auge des Genervten etwa. Auch seine Stimme, gebettet in eine erstaunliche Eloquenz, vielleicht dann doch ein Talent, stieß ab. Denn sie klang schrill, für einen Mann zwei Oktaven zu hoch, überbordend. Und schließlich sein Geruch. Er roch nur nach dem, was er auftrug. Trug er nichts auf, roch er auch nicht. Kein Parfüm, kein Geruch. In dieser Beziehung hätte er als reales Vorbild für Süßkinds Jean-Baptist Grenouille – was übersetzt Frosch bedeutet – gelten können.
Piotrs Garderobe dürfte als teuer bezeichnet werden, aber auch hier stimmte etwas nicht. Irgendetwas fehlte … Nur was? Die Antwort bot eine sich zeigende Gelegenheit, ein Vergleich.
Piotr stand an diesem Abend mit zwei Parteikollegen in dieser erstklassigen, proppenvollen Bar im Rafles Europejski und prahlte soeben damit, dass er die Pressesprecherin eines politischen Widersachers mit der Finte ins Bett gelockt hätte, er würde ihrem Chef erzählen, dass sie ihm teure Geheimnisse verriete, woraufhin seine beiden Kollegen gequält wie unecht lächelten. Nun stand Piotr also da, lachte über seine erbärmliche Männlichkeit, die unmännlicher nicht sein könnte, gekleidet in einen Brioni-Anzug, dunkelblau, rote Krawatte, blauweiß gestreiftes Hemd, bordeauxrote Slipper mit Bommeln. Ein überkomponiertes Ensemble, würde der Kenner wissen, der Laie jedoch nicht. Was dieser indes erspüren würde, war etwas anderes, etwas viel Gewichtigeres. Um eben dies zu erkennen, bedurfte es eines Blickes ins Rund, hier in dieser Bar. Vorbei an einer Gruppe Frauen, dann an drei bedächtig plaudernden Mittsechzigern, nun zwei deplatziert wirkende Edelhuren passierend, an noch einigen Gästen entlang gleitend und schließlich ans letzte Viertel des Tresens, an der ein Mann stand. Er trank einen Cocktail, vermutlich Martini on the Rox.
Ebenfalls dunkelhaarig, klassisch kurzes, nach hinten frisiertes Haar a la Mastroianni, Einsneunzig groß, athletisch und doch schlank, vielleicht Mitte Vierzig oder etwas älter, griechisch-schön … Und auch dieser auffällig attraktive Mann trug einen Anzug, dunkelblau, weißes Hemd, keine Krawatte, Einstecktuch in Paisley, schwarze Oxford-Schuhe. Nur, was war der Unterschied? Und warum, liebe Leser, ist mir dieser aufzuzeigen so wichtig? Nun … weil er die Welt bedeutet. Dieser andere Mann trug seinen Anzug wie eine zweite Haut, selbstverständlich, gelassen, unaufgeregt, latent würdevoll. Piotr hingegen platzte schier vor Stolz und hatte in geistiger Umnachtung wie Ahnungslosigkeit an seinem Ärmel ein Markenzeichen von Brioni, so ein kleines Stoffschildchen, eigens für jedermann sichtbar aufnähen lassen.
Dieser andere Mann an der Bar, der übrigens, verfolgte man seine Blicke genauer, ein auffälliges Interesse an Piotr zu haben schien, stellte etwas völlig anderes dar, als eben Piotr.
All das, all seine Unzulänglichkeiten, erahnte Piotr, indes ohne Lehren daraus ziehen zu können. Seine Natur stand dagegen, versperrte ihm den Weg. Sie drängte ihn zwar nach vorn, nach oben, in schlüpfrige Träume hinein, in eine Welt des Mammons, ohne diesen aber begreifen oder gar schätzen zu können. Piotr war ein Parvenü.“
KAPITEL 3
DIE FALLE
Vier Merkmale fusionieren im Wesen einer Falle zu ihrer Charakterisierung. Fehlte auch nur eines dieser Merkmale, verdiente eine wahrhaftige Falle ihren Namen nicht. Es mag auch primitivere Arten von Fallen geben, einfache Jagdfallen etwa, aber diese entsprächen nicht dem Prädikat „wahrhaftig“.
Zunächst haben wir die Falle selbst, als Apparatur oder Vorrichtung, als eine bestimmte Gegebenheit oder konstruierte Situation. Und immer, ausnahmslos, haftet diesem ersten Merkmal die Eigenschaft des Verborgenen an, der Täuschung, des Scheins. Ohne Täuschung keine Falle.
Eine Ratte – obgleich gerade diese Tierart dafür bekannt ist, Fallen zu erspüren – freut sich diebisch auf das duftende Stück Fleisch – und Zack ! – schnappt der eiserne Bügel mit atemberaubender Schnellkraft katapultierend zu und nagelt das Tier förmlich fest.
Mit der Ratte selbst haben wir schon einen Hinweis auf das zweite wesentliche Merkmal einer Falle, nämlich schlicht denjenigen, der in sie hinein tappen soll: das Opfer. Jenes kann ein Tier sein, muss es aber nicht. Fallen wurden, seitdem es sie gibt, auch für den Menschen ersonnen, auf dass er ihnen zum Opfer fallen möge. Eine verborgene Tretmine etwa, oder eine Schussvorrichtung, auszulösen durch Kontakt per Stolperdraht, der ausgerechnet auf einem Rettungsweg lauert, um ein besonders perfides Beispiel zu geben.
Womit wir bei Merkmal Nummer drei angelangt wären, dem Fallensteller. Es mag Jagdmethoden in der Fauna geben, die wie Fallen anmuten; wenn etwa Löwen jagen, treiben die Weibchen ihre Mahlzeit gern auf einen bestimmten Punkt zu, an dem bereits König Löwe begierig mit zum Bersten gespannten Sinnen und Muskeln tief ins Gras geduckt lauert, um im Erfolg versprechenden Moment loszuspringen. Aber dieser Art von Falle fehlt das tiefgründig Verschlagene, das Doppelbödige. Und das vermag nur der Mensch hervorzubringen, der Fallensteller. Oder Gott, wenn das Leben selbst eine Falle sein sollte.
Indes, immer ist es ein komplexer Denkprozess, der Merkmal Nummer vier vorangeht, denn der Fallensteller muss sich in die Welt des Opfers versetzen. Und dieses dazu bringen, eine bestimmte Aktion zu tun, etwa einen vom Fallensteller gewollten Weg zu gehen oder Handlungsakt zu vollziehen. Er kann dabei nicht auf den Zufall bauen, wenn Zeit eine wesentliche Rolle spielt. Und deshalb ersinnt der Fallensteller Merkmal Nummer vier: einen Köder.
Fassen wir zusammen. Vorrichtung oder konstruierte Situation, die Falle selbst, dann das Opfer, nun der Fallensteller und schließlich der Köder. Erst jetzt verdient eine wahre Falle ihre Bezeichnung.
Stellen wir uns vor, liebe Leser, das Leben selbst wäre eine Falle und Gott hätte sie ersonnen. Eine Falle, aus der es kein Entkommen gibt, oder nur ein den Aggregatzustand veränderndes, absolutes.
Man schwimmt da so als Samenzelle inmitten vieler Millionen weiterer, wie ferngesteuert, angetrieben, beseelt von nur einem Ziel, diese verdammte Membrane zu durchstoßen, um anzukommen, und bevor man weiß, was geschieht, wird man geboren, und aus der Nummer kommt man nicht mehr raus. Bis der Fallensteller, Gott, sich genug gelabt hat deinem Glück oder Unglück, Erfolg oder Misserfolg, Seelenheil oder Seelenschmerz, und der Tod dich ereilt. Die ultimative Falle. Doch was verwendet Gott als Köder? Richtig … denn ewig lockt das Weib. Die ultimative Falle bedarf auch eines ultimativen Köders.
Nichts Geringeres fügte sich an jenem Abend in der Hotelbar des Rafles Europejski.
Was einigen Gästen unangenehm aufgestoßen sein mag, war die laute, plebejische Art jenes dunkelhaarigen Parvenüs, Piotr wurde er gerufen, der so tat, als gehörte ihm die Welt. Dessen Blick gierte ziellos umher und verfing sich stets in den Schamgegenden der anwesenden Frauen. Offen und anstößig starrte er auf alles, was nach „spaltbarem Material“ aussah, während er nicht bemerkte, wie ihm der Sabber aus den Mundwinkeln floss.
Plötzlich tat sich etwas im Raum. Eine Veränderung wurde spürbar. Die Temperatur schien schlagartig um zwei Grad gestiegen zu sein, die Blicke der Gäste, aller Gäste, flirrten irritiert in eine Richtung, bündelten sich als energetisches Staunen, als ein ehrlicher Strahl der Verblüffung, ja, der Hilflosigkeit.
Ihr blondes, schulterlanges Haar schien jenes der Lorelei nach Heinrich Heine gleich zu sein, denn wer es unbedacht ansah, war paralysiert von der Wucht an Schönheit. Ihre Augen, strahlende Reminiszenzen Eva‘scher Verlockung, türkis-grüne Lagunen. Sie war vom Schicksal mit einer physiognomischen Symmetrie bedacht worden, die jeden Betrachter in Bann zog. Ihr Gang vereinte Feenhaftes mit Königlichem, Unschuldiges mit Aufreizendem, und alles geschwängert mit purer Weiblichkeit. Ihr Kleidungsstil, vollendet. Sie trug ein smaragdgrünes, hautenges Kleid, knielang, dazu beigefarbene Pumps, und eine ebenfalls beigefarbene Kashmir-Stola um die Schultern gelegt. Ihr Busen zeichnete sich ab, ohne aufdringlich zu wirken. Keine Frage, diese Frau, diese Erscheinung, in der sich die Blicke der Bargäste trafen, würde der gefährlichste Hochzeitsgast sein, der vorstellbar war. Keine Braut könnte sich wohl fühlen angesichts dieser betörenden Schönheit, denn in jedem Manne würde sie dessen natürlichen Instinkte entflammen, und sei es nur für Momente. Und immer sind es Momente, die entscheiden …
Piotr stand keine drei Meter von ihr entfernt, und als die Schönheit näher kam, der Bar entgegen, traf ihn von ihr ein Augenaufschlag, dem er nicht gewachsen war.
Sein Blick verkrampfte sich, sein Glied schwoll an, und in Piotrs Atem pulsierte Gier und Wolllust. Er wollte sie bespringen, hier und jetzt, spürte aber zugleich eine Ohnmacht, die ihn packte und quälte.
Die Frau ging an ihm vorbei, drückte sich entschuldigend an anderen Gästen vorüber und der Bar entlang, dem hinteren Viertel zu. Dann umarmte sie jenen attraktiven Mann, der aufrecht in einem unverschämt gut sitzenden Anzug die meisten Anwesenden überragte und souverän in sich ruhte. Neidvolle Blicke, perplexes Staunen, die Atmosphäre trieb einem Fulminationspunkt zu.
Ein neuer Gast, der soeben die Szenerie betreten hatte, sollte daran maßgeblich Anteil haben. Stiernackig, der glatzköpfige Hüne, zwei Meter groß, verknorpelte Ohren, was auf einen Ex-Ringer schließen ließ. Eingezwängt in einen zu engen Anzug minderer Qualität schien er beinahe vor Muskelmasse und Testosteron zu platzen. Ja, dieser Mann strahlte Bedrohlichkeit aus, wenn auch nur körperliche, rohe.
Piotr duckte sich instinktiv weg, denn körperlich starke Männer flößten ihm Angst ein.
Doch der Typ drängte sich ohnehin ungeniert an ihm und anderen vorbei, der Bar entgegen. Dort machte er erst halt, als er bei den Edelhuren angekommen war und herrisch einen doppelten Wodka bestellte. Dieser grobschlächtige Mann passte in die Bar wie Blausäure in Babynahrung. So verging eine knappe Viertelstunde.
Und dann, nach dem dritten Wodka, packte dieser Typ eine der Edelhuren am Handgelenk, presste sie an sich und zischte ihr feindselig ins Ohr. Was, konnte wohl nur sie selbst verstehen, aber daraufhin brach sie in Tränen aus. Jeder in der Bar beobachtete, teils offen, teils verstohlen, die Szene.
Nun schlug der Kerl die Frau, woraufhin ihre Kollegin anfing zu schreien. Ein kurzer Griff in den Nacken, und schon donnerte sie blanken Gesichtes auf den Tresen. Blut spritzte und floss.
Entsetzen machte sich in der gesamten Bar breit, Lähmung. Auch Piotr vergaß vor Schreck seinen nächsten Schluck vom Drink.
Dann geschah Unglaubliches. Nur eine Sekunde später stand der elegante Begleiter der Lorelei hinter dem Hünen, trat diesem gezielt ins Gemächt, und, als der Hüne schmerzvoll in die Knie ging, schlug ihm mit dem rechten Ellenbogen wuchtig aufs Ohr. Der Hüne brach zusammen, blieb bewusstlos liegen.
„Call the police, put out the waste of here“, sagte der Retter gelassen zum Barkeeper und spontaner Beifall der Gäste brandete auf. Auch Piotr bekam den Mund nicht mehr zu. Er war begeistert, neidvoll angetan, er war … interessiert.“
KAPITEL 4
SITTENGEMÄLDE
„Artur kredenzte seit der Neueröffnung des Rafles Europejski Drinks hier an der Lobbybar. Und in der Tat hatten sich auch besondere Ereignisse in sein Hirn gebrannt. Da war zum Beispiel jene amerikanische Pop-Diva, die die gesamten Vorräte an Champagner für ihre Entourage, Dutzende Lakaien, die sie auch so behandelte, leer gesoffen hatte.
Oder jener Abend nach irgendeinem Fußballspiel, als ukrainische Hooligans randalierten. Was für ein Chaos. Und der Abend, als hier ein berühmter Schauspieler verhaftet wurde, blieb Artur ebenfalls im Gedächtnis. Was für ein Trubel. Welch hetzende Medienmeute, Paparazzis im Pulk. Ja, es war schon einiges Denkwürdiges passiert, hier im Europejski.
Doch verglichen mit dem, was sich heute Abend hier abspielte, life vor seinen Augen und Ohren, hatte er noch nie erlebt, nicht mal im Kino oder Fernsehen. Obwohl eine Szene als Andeutung ihm vor Augen stieg. Nicht, dass es sich um ein Gleichnis handeln würde, aber es gab Parallelen. Es war die Anfangsszene aus Hollywoods Meisterwerk „Schindlers Liste“. Darin vereinnahmte Oskar Schindler, der Hauptprotagonist des epischen Films, innerhalb kürzester Zeit ein ganzes Tanzlokal in Krakau für sich und feierte an einer großen Tafel mit Nazi-Schergen, hochrangigen SS-Offizieren und einem guten Dutzend Huren. Eine Orgie, ein Gelage, geeignet, Gomorra‘s Fäulnis zu beschreiben, und Walhallas Kraft. Ja, tendenziell fühlte er sich durch das, was er hier und heute vor seinen Augen sah, an jene Szene erinnert. Und doch besaß diese hier mehr Wucht, mehr Tiefe, mehr Verästelungen, war ein eigenes Universum. Eins der Moderne. Und Artur war dabei.
Zugegeben, die Stimmung des Abends war von Anfang an besonders gewesen, selten, geprägt durch die schiere Vielfalt an Prominenten, die hier zugegen waren. Ein Sammelsurium an Politikern, Schauspielern, Wirtschaftsgrößen, Medienleuten, wenn auch nationaler Bedeutung. Und dann erschien diese Schönheit, jenes göttliche Geschöpf, dessen Anblick Arturs gelebte Tage in wertlose und den einen bedeutsamen teilte. Und dann dieser Typ. Ein Mann aus einer anderen Welt. Der schließlich die beiden Huren von jenem Monster in Anzug durch blitzschnelle wie gezielte Schläge unerwarteter, kompromissloser Wucht gerettet hatte. Und nun … tja … und nun hing diesem Mann der ganze Raum an den Lippen. Ein paar zusammengeschobene Tische, die Sessel und Stühle völlig chaotisch verstellt, Hauptsache nur in der Nähe dieses Mannes, der Raffael hieß. Und ähnlich wie einst Oskar Schindler hatte er alles auftischen lassen, was im Europejski verfügbar war. Champagner, Kaviar, exotische Früchte und Drinks jedweder Farbe, jedweden Geschmacks. Waren es vielleicht hundert Menschen, die sich so um ihn drängten, während die unsägliche Schönheit an seiner Seite ihm einen multiplen Glanz verlieh? Der Pianist klimperte gerade Frank Sinatra und im Chor erscholl es soeben: „New York, New York“, während dieser schmierige dunkelhaarige Politiker der PiS – wie lautete gleich sein Name? Piotr? – Raffel laut mitsingend umarmte.“
KAPITEL 5
VOR DER KOMPROMITTIERUNG
„Im Gegensatz zu den meisten anderen Bereichen des Europejski unterscheiden sich die Toiletten der Lobby nicht sonderlich von konkurrierenden erstklassigen Hotels. Dem Bristol etwa, dass sich gleich vis-a-vis befand. Standard auf olympischem Niveau. Hochwertige Keramik, Marmor, viel Spiegel, ein größerer Hauch von Luxus. Und eine gewisse Geräumigkeit, so dass sich zwei ausgewachsene Männer bequem darin aufhalten konnten. Gleichzeitig. „Um was zu tun?“, könnte die konsequente Frage eines jeden gesunden wie seriösen Menschen lauten. Was sollten zwei Männer gemeinsam auf einer Toilette veranstalten? Welche Abart der Hölle könnte sich in einem solchen Umstand mitteilen?
Für gewöhnlich lasse ich, lieber Leser, der Fantasie freien Lauf, doch stoppen Sie Ihr Kopfkino und fragen sich stattdessen, was Sie dazu bewegt hat, schmutzig zu denken? Denn Piotr mag zwar die schmierigste Ratte, der egoistischste Heuchler, der korrupteste Politiker Polens sein, aber abnormal ist er nicht. Wenn man von seinem Laster täglichen Kokainkonsums absieht. Und auch jetzt, mit diesem vor gesunder Männlichkeit nur so strotzenden Beau hier auf dem Lokus, fischte Piotr geschickt ein kleines Tütchen aus seiner Hose, schüttelte es ein paar mal, öffnete es vorsichtig, streute dann den weißen Inhalt auf den Klodeckel und zerhackte das zutage geförderte Zeug mit einer Kreditkarte. Geübt und flink, als wäre er ein Koch, der soeben vor seinen Gästen ein Filet zu feinstem Tatar verarbeitete, richtete er schließlich zwei fette Lines an. Dann schaute er kniend wie stolz zurück über seine Schulter zu Raffael, und bemerkte dabei nicht, wie dieser gerade noch sein Handy versteckte, mit dem er die Szenerie gefilmt hatte.
„Take it, Raffael“, sagte Piotr gönnerhaft.
„Ladies first“, entgegnete Raffael, bereit, seine Kamera erneut und unbemerkt einzuschalten.
Piotr drehte sich wieder um, zückte einen Geldschein, rollte diesen und sog sich das weiße Monster hälftig durch beide Nasenlöcher.
„Aaahh“, stöhnte er auf.
„The cocain is amazing!“
Nun hockte sich Raffael nieder und tat so, als würde er ebenfalls das Pulver inhalieren. In Wahrheit aber sog er nicht, sondern pustete mit einem kräftigen Stoß und vom taumelnden, benebelten, völlig betrunkenen Piotr unbemerkt, das weiße Zeug einfach weg.
Auch Raffael stöhnte auf, aber theatralisch.
Dann verließen die beiden Männer das Klo und während Piotr kaum mehr wusste, wo er war, lächelte Raffael wissend um den Sprengstoff in seinem Handy. Er hatte seine erste Etappe erreicht. Bald würde er – gegen jeden zu erwartenden Widerstand – im Windschatten eines aufstrebenden Staates das Wasser der Siren produzieren.“