TANGO

Was uns zusammen sein lässt, trennt uns mitunter auch wieder. Was uns wissend macht, entblößt auch immer unser Unwissen. Und was uns erleichtert, beschwert uns oft alsbald darauf.

In diesem … diesem Tango der sich bedingenden, einander schaffenden, wenigstens begünstigenden Wahrheiten sind Wendungen inkludiert, die diesen die Ambivalenz des Lebens widerspiegelnden Tanz erst vervollkommnen.

Der Ehemann einer Mäzenin, passionierter Jäger, erschießt versehentlich seine Frau, die mit ihrem Liebhaber durchs Unterholz kriecht, um eine „geeignete“ Stelle zu finden. Und die ob ihres Todes eine aufzulösende Stiftung hinterlässt, deren Liquidation dazu führt, dass ein Kind eine bereits zugesagte Krebstherapie nicht bekommt und … stirbt. Mit Folgen, die ein kleines Menschenuniversum erschüttern.

Oder eine ausufernde Gartenparty … Sechs Freunde. Inmitten des Corona-Lockdowns. Inmitten einer medial gesteigerten Massenhysterie, in der sich jeder zweite Nachbar, jede Supermarktkassiererin, und erst recht jeder Neider, versucht fühlt, dem buddhistischen Glaubensbild zu entsprechen um Reinkarnist zu sein: Stasi-Denunziant.

Sechs Freunde also, die dem Garten ein Gesicht geben. Den ganzen Abend, und, hart an der Ruhestörung, die halbe Nacht hindurch. Sechs Freunde, die tranken, als gäb‘s kein Morgen. Rauchten, als validierte jeden Moment der Grünen Rauchverbotsgespinst. Koksten, als wetteiferten sie um des Sensenmannes Gunst, als erster die Schwelle der Schwellen übertreten zu dürfen.

Und als sie – dann doch noch lebendig – auseinanderstob, die geeinte Bande der Rebellion, hinterließ sie ein Bild, das geeignet gewesen wäre, einer waschechten linken Atheistin – gern um die Sechzig mit einer Katze im Haus – ein herzlich-ehrliches “Oh-Gott” zu entlocken. Ein Bild dessen, was gewesen war. Ein Tisch der Spuren. Des Gelages.

Und dann kam sie, die Denunziantin. Und fotografierte, und zeigte die Sechs bei der Polizei an. Triumphierend auf das Foto verweisend. Ah … das Beweisstück.

Ein Foto, dass der zuständige Polizeichef einem der Sechs zuspielte. Sein Trainingskamerad. Zufällig. Ein talentierter Fotograf. Und der erkannte das Potential und schuf aus dem Bild ein Meisterwerk namens “Es lebe der Denunziant!”.

Was immer auch geschieht, die Unberechenbarkeit der Fügung, und nicht das Atmen, so mag es mir gefallen, unterscheidet das Leben wahrhaftig vom Totsein.