„Neulich traf ich einen Mann. Einen Bekannten. Einen, der mir nicht unsympathisch ist. Wir führten ein Gespräch, tauschten uns aus, zumeist privater Natur. Und durchstießen die seichte Höflichkeit wohl üblicher Plauderei einander zwar bekannter, jedoch nicht wirklich befreundeter Protagonisten mit paradigmatischen Wahrheiten und den Skizzen zukünftiger Momente als drohende Zäsur.
Sein Alb, eine Beziehung, die vorm Scheitern steht. Weil er ungeliebt liebt.
Sie, Ende Zwanzig, brünett, schwere Alkoholikerin, bipolar in teils stakkatischem Wechsel, recht ansehnlich, dem Foto auf seinem Smartphone nach zu urteilen, hat ihn – bewusst oder nicht – bei dem, was man bei Hunden Klöten nennt.
Schraubstockähnlich ist sie in der Lage, weil er will, dass sie ihn will, und er sich dafür auch erniedrigen lässt, den Druck zu skalieren.
„Liebst du mich noch?“ fragt er oft fast flehentlich. Woraufhin sie irgendetwas sagt, zum Beispiel, dass das Taxi vor der Tür warte … und sie sich beeilen müsse.
Trägt er – verzweifelt wie enttäuscht – den Gedanken einer Trennung vor, direkt in ihr Gesicht, wird sie wachsweich, ist fast zärtlich, ohne dabei zu vergessen zu erwähnen, dass die nächste Mietzahlung für ihres missratenen Bruders Wohnung fällig sei; mein Bekannter hatte sich bereit erklärt, den von ihr geliebten Bruder, angeblich ein Junkie und verurteilter Handtaschendieb, finanziell zu unterstützen. Meine Frage, ob er ihn jemals zu Gesicht bekommen hätte, blieb unbeantwortet. Woraufhin ich zweifelnd eine Braue hob, sauerteigmimisch flankiert.
Ich erklärte ihm schließlich, dass, da weder eine Zukunft existiert, noch die Vergangenheit, der Moment alles sei. Es ergäbe keinen Sinn, so schlaumeierte ich weiter, sich den Moment zu verübeln. Es sei denn, eben daraus ließe sich Kraft schöpfen. Oder Inspiration. Woraufhin er aufmerkte. Und als passionierter Maler eine Idee gebar. Er stand auf, verabschiedete sich und erklärte, ein bestimmtes Bild malen zu wollen.
Ich werde, sichtbar oder nicht, Teil dieses Bildes sein.“