TROMPETTE DES ANGES

„Wird der Abend zur Nacht, gebiert mitunter eine surreale Stunde. Die Stadt dimmt ihre Geräusche. Ein nächtliches Zelt breitet sich aus, sodass sich manche der Bauten Lichter in ihrer Strahlkraft ersteigen. Das Gelächter Einzelner dringt in den Himmel, wie Messerschnitte in Gallert. Blau wird zu Blauschwarz.

Tief atmet er den Duft der Stadt ein. Seine Lungen vibrieren. Er giert schon nach dem nächsten Atemzug … der so viele Gerüche verspricht. Denn ganz eigen riecht und schmeckt die beginnende Nacht. Anders als der Abend. Oder der Morgen. Teer, Benzin und der Menschen Geschäftigkeit, treten zurück; so schmeckt diese dunkelblaue Zeit nach sich abkühlenden Mauern, nach erkaltendem Glas, brisenhafter Frische, schrumpfendem Metall, nach Aftershaves und Rasierschaum junger Galane, nach Haaröl und Gel, nach geputztem Schuhwerk und duftenden Beinen kurzberockter Frauen, die – scheinbar über den Dingen schwebend – stoisch-stumm den Boulevard betreten. Mitunter schnattern sie auch, bewegt von Welten, die Männer nicht verstehen.

Und Klarheit erschmeckt er, wenn auch noch keine unverfälschte. Denn dies ist der morgendlichen Dämmerung vorbehalten.

In der beginnenden Nacht erkennt er mit ihr eine Komponente, die ihm als göttliches Intermezzo erscheinen mag: Entschleunigung.

Worüber nachzudenken sich lohnt, erfährt in der nächtlichen Wandelstunde Bedeutung, vermag zu bewirken.“

ABSINTH (2011, a.D.)


„dieses blau, dieses blau,

es fließt in meinen kopf,

ergießt sich, in alle winkel;

und so viele blicke, in mein herz,

wie schwerter kalter morgenluft,

stummen sie ihr lied;

der wölfe sangesklang,

fügt es orchestral,

im fieber ich geboren ward‘, mein lebensritt ein strahl.“