„November ist’s, im Herbst ich frohlocke,
sterbend Farben künden, worüber hinwegzusehen unmöglich dünkt;
Alleinsein beflügelt, bis die Liebste gefunden, selbst währte die Suche ewiglich.“
Rilkes Interim
(Auszug aus „Herbstag“, anno 1902)
„… Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“
Ende des Auszugs.
Bittersüß, Rilkes Tragik; und doch … ein Irrtum. Denn nur im Alleinsein entkernt sich, was lange gewachsen, gereift und als unübersetzbar* bleibt für alle Zeit:
„Gewährte ich der Blicke Hast,
zu sehen was die Sehnsucht schafft,
gewönn‘ in mir die dunkle Macht,
weil Schauen oft wind‘ger Freude gleicht;
erst im Fühlen, tief und erdig schön,
erkennen wir der Farbe Klänge, ja,
der Stürme Fön;
nicht Planen ist, was uns lenkt,
vielleicht befördert,
oder enthemmt,
dafür ein treibend‘ Keim,
befruchtet ob Naturen Pein und Wonnigkeit, der Wege Wieg‘ entfacht;
sei‘s drum, mögen Engel flüstern,
jeder Pfad ein Ende findet,
zuvor sich gar oft windet;
im Schreiten aber, ganz gewiss,
schlagen Herzen schneller,
und der Zauber jeder Richtung ist uns Licht.“
*Dear foreign readers, not fully familiar with the depths of German: this lyrical part cannot be adequately translated.