Wir nannten sie Wendehälse, jene Heuchler, die erst in der DDR vor dem System in stets vorauseilendem Gehorsam zu Kreuze krochen, den Bruder oder Kollegen denunzierten, und dann – nach dem Fall der Mauer – auf astreine Demokraten machten.
Wie die Zeiten sich gleichen. Oder besser, der Menschen Gebaren.
Heute lassen sich die Gutmenschen als solche instrumentalisieren und gehen gegen „Rechts“ auf die Straße, dazu aufgerufen von einem Kanzler in Panik aus politischem Kalkül. Erbärmlich.
Gutmensch: Das Unwort des Jahres 2015 war es deshalb, weil es keines sein sollte. Doch anstatt als metaphorische Bestimmung den „guten“ Menschen zu charakterisieren, erfuhr es via Schimpfwort sprachlichen Aufwind. Vielleicht etwas zu verstiegen, aber im ursprünglichen Sinne beschreibt der Begriff ein Ideal. Der Gutmensch. Ah.
Da freut sich die Mama. Denn gut ist, der Gutes tut. Und das ist menschlich. Fürsorge. Verständnis. Toleranz. Nächstenliebe. Sogar grundmenschlich, multireligiös. Alles gut also? Nein. Nicht einmal vielleicht.
Die Jury stimmte damals diesem Ausdruck für das Unwort des Jahres zu, weil es als der prominente Kampfbegriff des so genannten rechtspopulistischen Lagers galt (und gilt), und es zwar im Ursprungssinn den „guten“ Menschen spiegelt, aber vom rechten Nutzer für naiv, dummgutgläubig bis hin zu gefährlich-dämlich steht. Ein verkapptes Schimpfwort also. Es würde demnach, so seinerzeit die Jury, den sachlichen Austausch auf demokratischer Ebene verhindern.
Intellektueller Antrieb der Jury war es, mit der Entblößung des Begriffes Gutmensch als Unwort des Jahres Beschämung hervorzurufen. Das war die Absicht. Ähnlich der christlichen Wange, deren Schwester geohrfeigt werden sollte. Vergleichbar mit einem Fußballtorwart, der die linke Ecke anbietet, und darauf spekuliert, der Schütze möge nach rechts schießen. Vorgeblich sei die Jury unabhängig gewesen, frei von politischen und medialen Einflüssen. Lachhaft.
Was die Sache aber verkompliziert, und wohl eher nicht in den Erwägungen der Jurymitglieder eine Rolle gespielt haben dürfte, ist, dass jene so genannten rechtspopulistischen Begriffsnutzer selbst Menschen sind, Mütter, Väter, Großeltern, denen auch Verständnis, Toleranz und Nächstenliebe innewohnen dürften. Ihnen das abzusprechen, weil sie aus Sorge um ihr Land oder ob einer patriotischen Grundeinstellung AfD wählen, wäre aber anmaßend und dumm, wenn auch nicht untypisch für „Gutmenschen-Schafe“ und die Fäkalaisisten.
Wer Gutmensch sagt, kann also ein guter Mensch sein, der den Gutmenschen als Gefahr erkennt. Zu Recht oder nicht, spielt keine Rolle für die politische Stigmatisierung des Begriffs. Denn damit war er eine glatte Fehlbesetzung für das Unwort des Jahres 2015. Der so genannte Gutmensch ist kein schlichter Guter, nur, weil er aufopferungsvoll im Flüchtlingsheim schuftet oder heute für Scholz und seine Grüne Mischpoke gegen „Rechts“ demonstriert, ohne erklären zu können, was „Rechts“ überhaupt bedeutet; er ist eine tragische Figur die zwischen Menschlichkeit, Nächstenliebe, grober Fahrlässigkeit und Lächerlichkeit schwankt. Und dem eigenen Unverständnis. Er versteht nicht, weshalb es falsch oder gefährlich sein soll, Alis Klo zu putzen, Anträge für Muammar auszufüllen oder wenn er Russen hassen soll. Er würde es nicht einmal dann verstehen, wenn seine vorauseilende Unterwerfung zurückgewiesen würde, von jenen, denen er Gutes tut. Er ist und bleibt geistig gefangen in seinem Honigtopfkopf.