VON BURENTÖCHTERN. SLAVA RUSSIA. EINER REISE ZUM KERN. UND DER NEUEN „NEUE WELT“.

Meine wunderbare platonische Freundin M. – eine waschechte Burin die seit 25 Jahren zwischen Europa (insbesondere Deutschland und Polen) und ihrer ursprünglichen Heimat Südafrika pendelt – trägt meist klassische Weltbilder in sich. Einerseits von Klischees geprägt, spiegeln sie oft wahre, wenn auch überwiegend überzeichnete Bilder wider. Gut und Böse. Tradition und Familie.

Als Künstlerin – sie sang bereits bei den Bayreuther Wagnerfestspielen – mag sie einen verklärteren Blick auf viele Dinge haben, aber ihr scharfer Verstand ist gewiss. Eine Eigenschaft, die nur von ihrem Sinn für Humor übertroffen wird, ihrer gewaltigen Stimme, und für die Liebe zur Familie.

Sie zu kennen, mit ihr befreundet zu sein, ist in vielen Bereichen ein Privileg, und es hilft mir obendrein, Menschen des „Alten Westens“ zu verstehen.

Was nicht alles in ihr verwurzelt ist!

Niederländische Vorfahren. Aufbruch in eine Neue Welt. Sich diese unterwerfen und gefügig machen, aber sie auch entwickeln und prosperieren. Apartheid. Die Burischen Unabhängigkeitskriege gegen das Britische Empire. Dennoch eine gewisse britische Affinität. Europäische Kultur die imstande ist, den nicht ungeneigten Beobachter hinwegzublasen, sprachlos vor Erstaunen zu machen – und ja, eine Exklavenmentalität. Überlebensstärke, entwickelt in einer oft feindlichen Welt. Und ist Charlize Theron nicht auch Burin? Nein, nur Südafrikanerin. Aber dennoch: Buren faszinieren. M. fasziniert.

Doch ihr Weltbild ist trügerisch, denn so wie einst die burische Herrschaft am Kap endete, endet auch das Alte Europa, man könnte auch meinen verendet … Die Verwurzelungen dahin zersplittern und zerfasern, führen in ein Konvolut aus Reminiszenzen. Bestenfalls.

Ob sie mich verstünde, wenn ich ihr den Blick für eine neue Neue Welt zu schärfen suchte?

Blickte M. nach Osten über den Fluss Bug und dann weiter den Don hinaus, sieht sie das angeblich Böse, das Rückschrittliche, das Unmenschliche, Leben wider die Freiheit und Selbstbestimmung. Kurz, das Russische.

Ihr WhatsApp-Bildchen ist mit einer ukrainischen Flagge kombiniert. Aus ihr spricht die Solidarität mit den vermeintlich Schwachen, Überfallenen, den sich nach „westlicher Freiheit“ sehnenden Ukrainern, die plötzlich und auf brutalste Weise, ohne Grund von einem irren Despoten aus einem revanchistischen Land überfallen worden seien. Das glaubt sie wirklich – was mir den Magen schmerzt.

In dieser geistigen Spur fahrend, ist weder das Rückwärtige, noch das seitlich an ihr Vorbeieilende zu erkennen; möge ihr Ankommen sie nicht all zu sehr überraschen, treffen. Als Freund stünde ich ihr bei.

Tschakabumm!

Ich denke an Dörfer im russischen Bujatien, an Tscherkessen im Kaukasus wo Ski fahren so teuer ist wie in Ischgl; ich denke an täglich tausend Freiwillige, oft mehr, die sich in Russland zum Militärdienst melden, um für Mütterchen Russland in der Ukraine zu kämpfen. Ich sehe Bilder aus Moskau vor mir, fühle mich in die Energie einer Zwanzigmillionen-Metropole ein, sehe andere Städte vor meinem geistigen Auge, St. Petersburg etwa, Kasan, Kaliningrad, Ekaterinburg, Novosibirsk … sehe modernste Straßen, ungepflasterte, Feldwege, Schlaglöcher, Tristesse und Pracht; ich sehe voll digitalisierte Geld-Automaten, Roboter-Hunde, auch echte … ich sehe Renten von (umgerechnet) zweihundert Euro im Schnitt und Monatsgehälter von fünfhundert bis tausend Euro. Ich sehe aber auch Benzinkosten von fünfundfünfzig Cent pro Liter und Butter, die im Viertelpfund für dreißig Cent zu haben ist. Ich sehe das potentiell reichste Land der Erde und ein anderes System. Ich sehe glückliche Menschen. Sorgengeplagte. Eine unique, überwältigend schöne Natur. Ich sehe ein Land, das sich bereit erklärt, die Arche für die traditionellen Werte dieser Welt zu sein (Frau Sacharowas Worte), in der der westliche Gender-Unfug keine Chance hat.

Und eigentlich sehe ich meine Freundin M., der genau das aus der Seele sprechen sollte. Was es nicht darf, denn ist Russland nicht böse? Rückschrittlich? Von gestern? Unfrei? Zensiert?

Öffnen wir ihren Horizont, erweitern wir ihre Spur … Denn einander verstehen, ist der erste Schritt, sich zu respektieren, auch wenn Gräben furchen.

Was mich zu Quantencomputern führt.

Die als Zukunft der Datenverarbeitung betrachtete Quantentechnologie ist medial und allgemein noch relativ unbekannt. Noch weniger bekannt ist, dass Russland an der Entwicklung von Quantencomputern arbeitet und bereits mehrere Entwicklungsstufen dieser Technologie eingesetzt hat.

Es soll ein offenes Geheimnis in Fachkreisen sein, dass Russland Quantensprünge respektive etliche Jahre vor ähnlichen Entwicklungen westlicher Unternehmen liegt. Das ach so rückschrittliche Russland – wie medial im Westen suggerierend kolportiert – pusht neue Technologien die seine Möglichkeiten in der globalen Wirtschaft bedeutsam erweitern werden.

Unterdessen pumpt der Westen Zig-Milliarden Euro in eine von Korruption durchdrungene Ukraine, deren Männer – sofern sie nicht schon gefallen sind – mehr und mehr lieber flüchten oder sich verstecken und freizukaufen suchen, als für ihre Regierung, ihr Land, die „westliche Freiheit“ … eine Kugel zu empfangen. Oder russischer Waffentechnik erliegen, die der westlichen eben nicht nachsteht.

Deutschland schaltete derweil seine Atomkraftwerke ab und blockiert mit bürokratischen Vorschriften und hohen Kostenstrukturen Schlüsseltechnologien der Zukunft; diese werden in ihrer Bedeutung vernachlässigt und fallen weiter zurück.

Der Silberrücken verliert seine Vormacht.

Diese Metapher mag aufzeigen, dass der Westen vor dramatischen Umbrüchen steht, vor tektonischen Veränderungen, vor einem gigantischen Bedeutungs- und Wohlstandsverlust. Was seine aggressive Strategien erklärt, dem neuen Silberrücken – Russland, Bricks & Co. – in die Suppe zu spucken. Koste es, was es wolle, zuallererst die Wahrheit, und ganz viel auf immer verdampftes Steuergeld.

Der Westen wird – sehenden Auges, sich windend und mit Ablenkungsmanövern (besonders perfide mag hierbei die Strategie des deutschen Kanzlers sein, seine politischen Gegner als Nazis zu diffamieren und teils bezahlte Demonstrationen zu initiieren) die eigenen Bevölkerungen einlullend – seine Dominanz verlieren; dieser Paradigmenwechsel ist unaufhaltsam im Fluss.

Russland – das Gegenteil von „böse“, rückschrittlich, aggressiv und unfrei – spielt eine derart bedeutende Rolle, dass der Westen es sich zum Feind erkor.

Doch genauso wenig wie der so ziemlich weltweit am souveränsten agierende und wirkende Präsident Putin todkrank oder okkupativ-aggressiv ist, oder grundlos eine Ukraine „diszipliniert“, genauso wenig hat des Westens Strategie eine Chance.

Der Zug fährt weiter.

Auch, nachdem der letzte Ukrainer gefallen ist.

Ich möchte meine Freundin M. in den Arm nehmen und ihr ihre Ankunft am Ende der Spur versüßen mit Trost, Wahrheiten und einer ganzen Reihe von Einladungen. Ich möchte sie auf eine Reise mitnehmen, denn Reisen eröffnet Perspektiven.

Die Reise würde durch Zeiten verlaufen, historische Epochen, wir würden an Geschehnissen teilnehmen, mit vielen Menschen sprechen, auch auf der Krim und im Donbas, auch in Russland von Moskau bis Irkutsk, und wir verweilten an Orten, die nichts gemein haben, mit dem Gift westlicher Häme und Propaganda. Auf dieser Reise würden wir als versteckte Mäuschen zuhören bei den wegweisenden Gesprächen 2008 auf dem Nato-Gipfel in Bukarest, als George Bush jr. auf die allgemeines Entsetzen bei den anderen NATO-Mitgliedern gebierende Idee kam, die Ukraine in die NATO einzuladen, und Russland damit zu brüskieren und de facto zu bedrohen, oder am Vorabend und während der beiden Maidane, oder bei den Instruktionen einer Victoria Nuland an ihre ukrainischen Lakaien, auch bei den Deals mit den Bidens, den Konsultationen Selenskijs zur geplanten atomaren Aufrüstung der Ukraine, der vertrauensbrechenden wie insgeheimen Torpedierung des Minsker Abkommens … und ich würde mit ihr nach Panama reisen, um ihr persönlich die Schwarzen Konten Selenskijs zu zeigen, oder seine versteckten Immobilien von Ägypten bis USA. Eine Reise jedenfalls, die über die Sorgen und Ängste der einfachen Leute hinausgeht und aufzeigt, dass Präsident Putin tun musste, was er tat, und Selenskij nichts tat, was er hätte tun können.