Philosophischer End-Exkurs auf Deutsch und на русском
Der Theorie zyklisch sterbender Hochkulturen Substantielles abzugewinnen, führte den Wissbegierigen unweigerlich zur Menscheitsgeschichte, zu den Ursprüngen der Ägyptischen und Babylonischen Kulturen, gern auch der Kretisch-Minoischen, und all diese fanden ihren Ursprung vor über Viereinhalbtausend Jahren.
Der Neugierige würde erkennen, dass seitdem – wie von Zauberhand – diese Hochkulturen alle jeweils zirka mehrere hundert bis eintausend Jahre wieder verschwanden. Auch die folgenden, wie die Indische, die Chinesische, die Griechisch-Römische … die Arabische Hochkultur, auch die Aztekische … Es scheint ganz so, dass allen Epochen eine Art Geburt, Aufstieg und Blüte, und ja, ein Sterben innewohnte.
Dessen gedenk, könnte man unserem Abendland, sagen wir der „Okzidentalen Welt“ Europas unter späterem Einschluss Nord-Amerikas, eine Geburt um etwa 1.000 AD zuordnen. Was für ein bereits erfolgtes oder sich unmittelbar ankündigendes Ende des Abendlandes spräche. Jede Epoche für sich besäße also – unabhängig vom chronologischen Zeitstrahl – ein 1. Jahrhundert und auch ein letztes, und jene Jahrhunderte dazwischen. Spätestens jetzt nun sollte der Geschichtsvergleichende, sich dem Thema Widmende, auf kluge Köpfe stoßen, auf Philosophen, Denker und Universalwissenschaftler, die diesem Trip von jeher und bis in unsere Tage ihr Schaffen Bestimmendes abgewinnen konnten, sogar mussten.
Namen wie Nietzsche, Cäsar oder Spengler. Gerade Letzterer, beschenkt der Gnade später Geburt, konnte für sich und seine Werke weltgeschichtsmorphologische Prinzipien erkennen, die in der apologetischen Prophezeiung des Untergangs des Abendlandes mündeten. So auch der Name seines rund eintausend Seiten starken Hauptwerkes. Oswald Spengler und sein „Untergang des Abendlandes“.
Drei Jahre vor Ausbruch des 2. Weltkriegs in München verstorben, kann man sich den Einfluss zeitgenössischer Geschichte auf Spenglers Arbeit sicherlich nur zu gut vorstellen; der 1. Weltkrieg, das Monarchiensterben, der Aufstieg des Nationalsozialismus … Aber aus dezidierter Perspektive betrachtet, und mit dem Wissen von Heute, auch angesichts eines die Welt erneut bedrohenden Konfliktes, sogar mehrerer, lässt sich nicht nur eine nachträgliche, simplifizierte Verortung Spenglers ins Lager Rechter Philosophen durch eher Linke Neuzeitdenker beobachten, oder eine beinahe Quasi-Verehrung seitens prominenter Russen wie den Außenminister Lawrow oder den im Westen ungerechtfertigterweise als „Neofaschisten“ verschrieenen Aleksander Dugin, sondern eben auch eine verblüffende Analogie, die ihren Höhepunkt noch gar nicht ausgeschöpft hat.
Was Spengler schrieb, sagte und wollte, so unverstanden er sich auch gefühlt haben mag, soll jeder selbst beurteilen, der ihn gelesen hat, aber eines fällt dann doch dramatisch auf: Spengler setzt seinen acht Hochkulturen – beginnend mit der Ägyptischen, endend mit der Okzidentalen (um den Begriff des Abendländischen nicht ungewollt konnotiert zu wissen) – eine neunte hinzu. Denn nach seinem „Untergang des Abendlandes“ in dessen Endstadium es sich seines Erachtens zu seinen Lebzeiten befand, prophezeite er einer Russisch-Asiatischen Hochkultur denselben Zyklus aus Geburt, Aufstieg, Blüte und in weiteren Neunhundert oder Eintausend Jahren das Vergehen in die Konvolute der Geschichte.
Was die heutigen (westlichen) Demokratien als lebensbedrohend deuten, und daran besteht kein Zweifel, bestätigt sich durch gelebte Geschichte: Der Aufstieg der BRICS, eine Entkoppelung des Globalen Südens von seinen ehemaligen Kolonialherren nun auch in wirtschaftlicher, kultureller und politischer Hinsicht, die ostentative Plakatierung westlicher, aber fragwürdiger weil inkonsequent und auf hypokritische Weise gelebter Werte als Kriegsgrund, und die Akzeptanz in weiten Teilen der Welt eines neuen Cäsarismus , der – ganz in anokratischem Sinne – den Begriff des „demokratischen Diktators“ neu belebt.
Kein Wunder, dass die westlichen Demokratien zittern, wobei sich bereits hier Widersprüche auftun, denn, sollte Spengler Recht behalten, das Sterben selbst Einfluss auf die Selbstreflexionsfähigkeit der Protagonisten der jeweiligen Hochkultur nimmt.
Und schaut man sich aktuelle Aussagen von Politikern und Medienschaffenden an, ist ganz deutlich die von Wunschdenken gefüllte Blase zu erkennen, in der sie sich befinden und die zu platzen droht ob kosmischer Realitäten.
Das Abendland nach Spengler stirbt, weil es sich erschöpft hat, weil es sich in Werte lügt aber nihilistisch durchdrungen ist.
Da kommt Nietzsche ins Spiel. So sehr man ihn auch hinterfragen mag, oder gar verurteilen, ablehnen, hassen … Wenn er schreibt, Gott sei tot, dann nicht, weil Gott tot ist, sondern „die Menschen“ gottlos geworden sind, wertelos, eben nihilistisch … (und ist es heute nicht tatsächlich so im Westen?).
Wer fühlt sich angesichts dieser Worte nicht an heutige Phänomene wie ChristopherStreetDay, Chanson d‘Eurovision, Diversität und „Vielfalt“ erinnert?
Nun, das Abendland stirbt, weil es moralisch verkommen ist, und den Balanceakt zwischen Machterhalt, Glaubwürdigkeit und relativer Stärke nicht mehr meistern kann.
Der Ukraine-Konflikt mag als allerletztes Infernal im Geschichtskosmos aufflackern; doch Fäulnis mit Selbstlügen zu überdecken, kann nicht fruchten, wenn das Ende des Abendlandes (ergo, des kollektiven Westens) im Gange ist. Von relativer Sinnlosigkeit durchwirkt, bedarf es der „ganz großen Lüge“, um den Menschen des Westens einen Lebenssinn vorzugaukeln, der im Kampf gegen das angeblich Böse fulminiert. Und so gut sich der Westen, gleichsam das Abendland, in reinkarnativer, grandioser Intoleranz übt, übt es zu spät. Nicht unbedingt weil Rettung nicht möglich ist (eine höchst theoretische Einschränkung) sondern da sein Zyklus vergeht.
Ich möchte als Autor „den Leser“ ermuntern, selbst zu erkennen, welche Indikatoren aktuell für jedermann lesbar sind: „Vielfalt“, die die Kraft der Gesellschaften in Wahrheit inflationiert; „westliche Werte“, die der Westen selbst untergräbt und damit als Geschwafel entlarvt; eine Abspaltung von Politik und kontrollierten Medien einerseits, und den Bedürfnissen der Menschen anderseits; eine zurückweichende Willensfähigkeit des westlichen/abendländischen Menschen an sich („Die Welt als Wille und Vorstellung“; ach, Arthur, was würdest du dich im Grabe umdrehen …).
Die Indikatoren ließen sich schier unendlich auflisten, aber am wohl dramatischsten erscheint mir die behauptete Toleranz und tatsächliche Intoleranz.
Liebe Leserinnen und Leser, ich öffne nur die Schleuse, die des Schiffes Vorwärtsdrang beengte; doch nun, angesichts drängender Fluten, möge – einer frischen Brise gleich – Erkenntnis reifen bei Kapitän, Steuermann und einfachen Matrosen. Denn nur so lässt sich der Epochenübergang überleben, ohne, dass Charon seinen Obolus verlangt.
на русском
LA FIN DE COMÉDIE (Конец комедии)
Чтобы извлечь что-то существенное из теории циклически умирающих передовых цивилизаций, любознательный человек неизбежно обратится к истории человечества, к истокам египетской и вавилонской, а также к крито-минойской культурам, которые возникли более четырех с половиной тысяч лет назад. Любопытные могут заметить, что с тех пор, как по волшебству, эти типы развитых цивилизаций исчезали каждые девятьсот – тысячу лет или около того. И последующие, такие как индийская, китайская, греко-римская… арабская цивилизация, ацтеки… Кажется, что все эпохи имели своеобразное рождение, подъем и расцвет, и да, смерть. Учитывая это, можно считать, что наш Окцидент, скажем так, „Окцидентальный мир“ Европы, включая Америку, родился около 1 000 года нашей эры. Это означало бы, что конец Окцидента уже наступил или был неизбежен. Таким образом, каждая эпоха сама по себе будет иметь первый век и последний век – независимо от хронологической линии – и промежуточные века. Не далее как сейчас те, кто сравнивает историю и посвящает себя этому предмету, сталкиваются с умными умами, философами, мыслителями и универсальными учеными, которые всегда были способны, даже вынуждены, сделать это путешествие определяющим фактором в своей работе, вплоть до сегодняшнего дня. Такие имена, как Ницше, Цезарь или Шпенглер.
В частности, последний, наделенный благодатью позднего рождения, сумел распознать для себя и своих произведений всемирно-исторические морфологические принципы, которые вылились в апологетическое пророчество о гибели Запада. Отсюда и название его тысячестраничного magnum opus. Освальд Шпенглер и его „Упадок Запада“. Умерший в Мюнхене за три года до начала Второй мировой войны, Шпенглер, конечно, может только представить, какое влияние на его творчество оказала современная история. Но если взглянуть на него с определенной точки зрения и с учетом знаний сегодняшнего дня, даже перед лицом конфликта, который снова угрожает миру, можно наблюдать не только последующую, упрощенную локализацию Шпенглера в лагере правых философов более левыми современными мыслителями или почти квазипочитание со стороны видных русских, таких как Лавров или Дугин, но и поразительную аналогию, которая еще не достигла своего пика. О том, что писал, говорил и чего хотел Шпенглер, каким бы непонятым он ни был, может судить каждый, кто его читал, но одно выделяется кардинально: Шпенглер добавляет девятую развитую цивилизацию к своим восьми – начиная с египетской и заканчивая окцидентальной (чтобы не придавать термину „окцидентальная“ непреднамеренный оттенок).
После упадка Запада, который, по его мнению, при его жизни находился на завершающей стадии, он предсказал русско-азиатской цивилизации тот же цикл рождения, подъема, расцвета и, через девятьсот или тысячу лет, заката в путы истории.
То, что сегодняшние (западные) демократии интерпретируют как угрозу жизни, и в этом нет никаких сомнений, подтверждается живой историей: подъем БРИКС, отрыв Глобального Юга от своих бывших колониальных хозяев теперь также в экономическом, культурном и политическом плане, показное афиширование западных, но сомнительных из-за непоследовательности ценностей как причины для войны, и принятие в значительной части мира нового цезаризма, который – в очень анократическом смысле – возрождает концепцию демократического диктатора.
Неудивительно, что западные демократии трепещут, хотя противоречия здесь уже наметились, ведь если Шпенглер прав, то сама смерть, скорее всего, повлияет на способность к саморефлексии героев соответствующей высокой культуры.
И если посмотреть на нынешние заявления политиков и работников СМИ, то можно отчетливо увидеть пузырь, наполненный желаемым, в котором они оказались и который грозит лопнуть перед лицом космических реалий.
Согласно Шпенглеру, Запад умирает, потому что он исчерпал себя, потому что он лжет о ценностях, но погряз в нигилизме.
Потому что она морально деградировала и больше не в состоянии балансировать между сохранением власти, авторитета и относительной силы.
Как автор, я не хочу предвосхищать читателя, а предоставляю ему возможность самому определить, какие показатели в данный момент доступны для чтения каждому. Я лишь открываю шлюз, ограничивающий движение корабля вперед; но теперь, перед лицом нахлынувших приливов, пусть осознание созреет – как свежий бриз – среди капитана, рулевого и простых матросов. Ибо это единственный способ пережить эпохальный переход без того, чтобы Харон потребовал свой обол.