Polit-Satire

GROTESKES AM 1. DEZEMBER 2018 IN BERLIN (WO SONST?)

Atypisch, so nannte Gundolf unseren garderobalen Auftritt im Zeichen von Cashmere-Mänteln, Seiden-Einstecktüchern und Philip Plein zur gestrigen „Migrationspakt-Stoppen-Demo“ in Berlin.

Nicht zu acht wie geplant, aber immerhin zu fünft (Feigheit vor dem Feind, Trägheit und volle Kühlschränke hatten uns reduziert) erschien unser schickes Fünferplatoon am Brandenburger Tor, nachdem es sich am Bundeskanzleramt vorbei, durch die ebenda stattfindende links-grüne Anti-Kohle-Demo (der nicht zu überhörende Redner, der schlechteste der Welt) hindurch und schließlich den Boulevard Unter den Linden hinauf gekämpft hatte. Letzteres flankiert der Tiraden von Touristen, die uns wie Auxiliare deuchten, aber das war nur ein verklärtes Wetterleuchten, ein Nichts. Denn spätestens am Adlon, unmittelbar vorm Pariser Platz, holte sie uns ein, die schaurig-seltsame Realität. Da ein Grüppchen schreiender irakischer Kurden (welches ein Teil unseres Platoons fälschlicherweise als syrisch ausmachte, so dass ich mit einem syrischen Vater ganz eitel und besserwisserisch den Oberlehrer herauskehren konnte), infantil lärmende Senegalesen (diese – stolz beflaggt – schienen sich über irgendetwas tierisch wie enigmatisch zu freuen), Asiaten vor überdimensionalen Kerzen in Glastrichtern (ohm?), kunterbunte Liebespaare, freilich auch gleichgeschlechtliche, und vor allem eine Krawall machende Gruppe trommelnder afghanischer Troubadoure, die vermutlich den Punjab hochjubelten, aber das konnte nicht stimmen, denn der befindet sich ja in Pakistan und Indien. Egal.

Nicht egal indes war uns unser Anliegen, den kommenden Migrationspakt zu stoppen; endlich waren wir angekommen am ersehnten Schlachtfeld und bereit uns in die mächtige Phalanx der teutonischen Verteidiger wider das böse Merkel, jenes schlaffe  Niedrigenergiegesicht, einzureihen. Und ja, ich besah tagträumerisch unsere wackre Schar aus der Vogelperspektive, wie sie sich an den vor Kampfeslust bebenden Trupps zu Hunderten und Tausenden vorbeischob, begleitet der rhythmischen Schläge ungeschliffener Totmach-Waffen an wild bemalte Schilde grimmiger Krieger, deren Schlachtrufe „Odin!“, „Odin!“ gen Himmel donnerten.

Wieder erwacht, lächelte mich das zahnverfaulte Mundwerk eines ärmlich  gekleideten Mittsechzigers an, der eine verblichene Deutschlandfahne mit Plastikschwungstab – wir Ossis wissen: ah … ein Winkelement … – umständlich versuchte hin und her zu schwenken.

Mein Blick glitt weiter, holperte sich an der mangelnden Erbgutmasse des traurig anmutenden Häuflein alter und zumeist hässlicher Möchtegernkrieger entlang, und vorbei an Weibern, die nichts mit den Walküren gemein hatten, derer es bedurft hätte, der aktuellen orientalischen Flut Einhalt zu gebieten.

Ehrfürchtig machte das Gesindel Platz für unser Platoon, das den meisten hier wie eine herrenmenschliche Abgesandschaft Odins vorgekommen sein muss. Was nicht nur an Philip Plein gelegen hätte.

Schließlich füllte sich der erbärmlich kleine, polizeilich abgesperrte Korridor am deutschen Mahnmal mit weiteren Protestlern, von denen nun einige eine Spur wertvolleres Erbgut aufzuweisen schienen; Statur, klarerer Blick, bessere Zähne und akzeptables Tuch sprachen jeweils eben dafür. Gott sei Dank, atmete ich auf.

Ich zählte durch, immerhin knapp zweitausend, reüssierte ich. Aber dann kamen mir die Millionen in den Sinn, die sich aus den Heiß- und Trockengebieten der Welt aufmachen werden um ein besseres Leben zu haben. Noch ein Blick ins Verliererrund, dann einen hinter uns, wo sich die aus älteren Kindern bestehende, „Nazis raus!“ plägende Antifa postiert hatte (was mich ernsthaft in Versuchung brachte zurückzurufen „Ab ins Bett!“), und ich wusste, das wird nicht reichen …

Das alte Deutschland gibt es nicht mehr.

Antifa, völlig entartete Regenbogen-Demonstranten (die entweder aussahen wie die Kelly Familiy oder nach Friede, Freude, Eierkuchen), Afrikaner, Touristen, Orientalen und ein Häuflein stammelnder Bio-Deutscher, die irgendwie den Eindruck vermittelten, den Anschluss verloren zu haben. Unübersehbar, das gestrige Bild. Denn die Massen des deutschen Bürgerturms blieben und bleiben unsichtbar-stimmgewaltig, in Luxus flankierter Bräsigkeit.